60 Stunden Woche muss mit dem Gehalt vereinbar sein

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Kommentar von SPÖ-Gewerkschafter Markus NEUNER 


Liebe Leserinnen und Leser,

man kann schon über eine Arbeitszeitflexibilisierung diskutieren aber man muss auch über einen fairen Gehalt diskutieren von dem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch leben können, denn wir man sich das Leben von seinem Gehalt nicht mehr leisten kann weil das Gehalt mit der Arbeitszeit nicht vereinbar ist dann sind wir Gewerkschafter am Zug hier zu einen leistbaren Konsens zu finden.

Arbeitszeit und Gehalt müssen absolut vereinbar sein und zusammenpassen. Je nach Kollektivvertrag verdienen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterschiedlich. Wenn zum Beispiel ein Angestellter € 1.500,- Brutto pro Monat verdient dann sind das Netto   € 1.221,40,- pro Monat. Das sind natürlich abzüglich Lohnsteuer und Sozialversicherung. Nun muss man an die Nebenkosten denken was noch zu bezahlen ist. Wir wissen das das Leben nicht mehr billig ist und denken dabei an unsere eigenen Bedürfnisse. Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin muss sich das Leben leisten können. Wenn von dem Gehalt im Schnitt wenig zum Leben bleibt weil zuviel für die Miete, Telefonkosten, Haushalt ect, draufgeht, dann muss man natürlich über mehr Gehalt je nach Kollektivvertrag diskutieren. Jedes Jahr setzen sich Gewerkschaft, Arbeiterkammer und Arbeitgeber an einen gemeinsamen Tisch um die Kollektivverträge neu zu verhandeln. Jedes Jahr gibt man den Kollektivverträgen ein neues Gesicht. Seit 01.September 2018 ist das neue Arbeitszeitgesetz in Kraft getreten das zwar eine Normalarbeitszeit von 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden Woche vorsieht aber diese je nach Kollektivvertrag verteilt auf bis zu 12 Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche verteilt werden kann. Diese 60 Stunden Woche ist nicht mit jedem Kollektivvertrag vereinbar denn es gibt Branchen in denen es nicht notwendig ist 12 Stunden am Tag zu arbeiten, außer die Auftragslage erfordert es mehr Stunden zu verordnen. Das klingt jetzt wie ein Patentrezept aber ist es in Wirklichkeit nicht. Wenn es keine Begründung gibt das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 12 Stunden pro Tag oder 60 Stunden pro Woche arbeiten sollen dann hat der/diejenige das Recht diese Mehrarbeit abzulehnen. Ohne eine wirkliche Begründung warum der/diejenige mehr arbeiten und länger in der Firma bleiben muss, darf der Arbeitgeber keine Mehrarbeit anordnen.

Das neue Arbeitszeitgesetz hat kein Patentrezept und die 60 Stunden Woche oder der 12 Stunden Tag kann nicht so einfach ohne eine wirkliche Begründung angeordnet werden. Der Arbeitnehmer darf nicht zu Mehrarbeit ohne wirkliche Begründung verpflichtet werden. Gibt es keine Begründung dann hat der Arbeitnehmer das Recht diese Mehrarbeit abzulehnen.

Der Arbeitgeber ist kein Arzt der einem eine Verordnung ausstellt und es gibt auch im Falle des Arbeitszeitgesetz keine Apotheke bei der man das Rezept einlösen kann. Ob es berechtigt ist den Arbeitnehmer zu entlassen wenn er Mehrarbeit ablehnt die nicht wirklich begründet ist muss man sich anschauen. Ich bin der Meinung, dass der Arbeitgeber diese Ablehnung akzeptieren muss. Warum sollte man seine Angestellten zu Mehrarbeit verpflichten wenn keine Mehrarbeit anfällt oder es keine Begründung gibt. Da sehe ich keinen Grund Mehrarbeit anzuordnen oder was noch schlimmer ist zu verpflichten. Natürlich haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber dem Unternehmen Pflichten zu erfüllen aber nur die Verpflichtungen die im Arbeitsvertrag festgeschrieben sind. Zu was verpflichtet werden kann regeln Kollektiv und Arbeitsvertrag. Das weiß der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer gleichermaßen.

Ich freue mich auf die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen die ja jetzt schon für die ersten Branchen begonnen haben und ich glaube auch das diese sich sehr lange hinziehen werden da eines ganz klar sein muss.

Arbeitszeit und Gehalt müssen absolut übereinstimmen und zusammenpassen. Wenn schon 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden gearbeitet werden soll dann muss diese Arbeitszeit aber auch bitte dementsprechend fair und gerecht entlohnt werden.

Welcher Gehalt wäre für 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche am angemessensten? Bevor diese Frage nicht geklärt ist wird es zu keinem Ende der Verhandlungen kommen. Herzlichen Dank.

Markus NEUNER (SPÖ/GPA-djp)

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Nein zur 60 Stunden Woche und dem 12 Stunden Tag

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Sozialdemokrat und Gewerkschafter Markus Neuner spricht sich gegen eine 60 Stunden Woche und den 12 Stunden Tag und spricht der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), dem Parlamentsklub der SPÖ und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) seine Unterstützung via Twitter aus. Seine Unterstützungserklärung an Politik und Sozialpartner im Kampf gegen die 60 Stunden Woche und den 12 Stunden Tag hat Dankesworte von Arbeiterkammer und GPA-djp aber auch Zustimmung bei Prominenten geerntet.

Die Menschen brauchen eine starke sozial-gerechte Stimme die an sie und ihre Interessen glaubt. Deshalb kämpfen ÖGB, Arbeiterkammer, GPA-djp und der Parlamentsklub der SPÖ gegen den 12 Stunden Tag und spricht sich gegen die 60 Stunden Woche aus. Meine Unterstützung haben Politik und Sozialpartner schon deshalb weil ich selbst einmal 11,5 Stunden am Tag gearbeitet habe und weiß das man nach 8 Stunden kraftlos und müde wird um sich zu konzentrieren. Eine 60 Stunden Woche wäre extremst gefährlich für die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Regierung und WKO verfolgen eine Strategie die nur den Unternehmen Vorteile bringt. Sie entlastet ihre Ausgaben ungemein aber lässt die Überstunden der Arbeitnehmer unter den Tisch fallen. Es kann so viel danach unter den Tisch gekehrt werden für das wir Sozialdemokraten sicher nicht bereit sind und zuschauen werden wie die Interessen und das Wohl der Arbeitnehmer mitgekehrt wird.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) veranstaltet am 30.Juni 2018 eine großangelegte Demonstration gegen die 60 Stunden Woche und den 12 Stunden Tag am Wiener Heldenplatz und am Westbahnhof. Gemeinsam wollen Politik und Sozialpartner der Regierung ein starkes Signal setzen. Neuner ist sich sicher das dies mit ein bisschen Glück auch gelingen kann.

Was ich nicht haben will ist das Kurz und Strache die Meinungen der Menschen irgendwann so ignorieren das am Ende nur noch gegen ihren Willen gearbeitet wird und die Bevölkerung als Ballast der sich aufregt, gesehen wird. Ich will keine LASS DIE MENSCHEN REDEN, WIR FAHREN DRÜBER- POLITIK in unserem Land haben. Wo immer Arbeitnehmerinteressen ignoriert werden sind wir Sozialpartner zur Stelle um eine Mauer gegen Ungerechtigkeit zu bilden.

Für Rückfragen:

presse@markus-neuner.actor

 

Die Debatte um den 12 Stunden Tag

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Liebe Leserinnen und Leser,

gestern wurde in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ über die Möglichkeit der Einführung eines 12 Stunden Tages debattiert. Zu Gast waren der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) Erich Foglar, Vizekanzler und Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und andere.

Der ÖGB-Präsident betonte das es bereits Unternehmen gibt die diesen 12 Stunden Tag auf Grund des Arbeitsaufkommens bereits hätten. Generell ist auf für Vollzeitbeschäftigte eine Wochenstundenanzahl von 38,5 Stunden vorgesehen. Mehrarbeit nennt man Überstunden. Im Jahresdurchschnitt betrug die normale wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2015 36,7 Stunden und lag nahezu unverändert gegen dem Vorjahr 2014 (2014: 36,8 Stunden pro Woche). Es geht aber jetzt darum wieviel man am Tag arbeitet. Das sind aktuell 7 Stunden am Tag durchschnittlich. Meiner Ansicht nach ist ein 12 Stunden Tag nur dann zulässig, wenn sie die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht gefährdet denn wie man weiß, hat ein Tag nur 24 Stunden und davon sollte man die Hälfte des Tages mit Arbeit verbringen. Soziologe Jörg Flecker stellte klar das es einerseits auch mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu tun hat. Wenn man die Kinder ohnehin schon generell länger in der Tagesbetreuung und am Vormittag im Kindergarten lässt und man wird aber auf Grund der Mehrarbeit die anfällt zu Überstunden verdonnert, muss das ganz klar vereinbar sein. Derzeit verhandeln Wirtschaftskammer und Gewerkschaftsbund darum ob ein 12 Stunden Tag überhaupt gesetzlich verankert werden kann und wie es mit der Vereinbarkeit ausschaut. Ich freue mich generell das die Bereitschaft der Sozialpartner so groß ist sich im Sinne der arbeitenden Menschen im Land zu einigen. Die Politik scheint es ja nur im Hinterzimmer zu interessieren. Die hat jetzt andere Sorgen als einen 12 Stunden Tag. Die Regierung sollte anstatt sich einzumischen lieber weiterarbeiten und sich nicht alles nur über die Medien ausrichten. Das ist meine Meinung. Lange wird die Koalition aber sowieso nicht mehr halten denn wie man gesehen hat scheint der amtierende Wirtschaftsminister sehr wenig von seinem Fach zu verstehen. Was die Politik sehr gerne macht ist, das sie sich einmischt und die Diskussion damit aufmischt. Wie jetzt beim 12 Stunden Tag.

Wieso lässt sie die Sozialpartner nicht einfach weiter verhandeln. Die sind auf einem guten Weg und verhandeln wahrscheinlich besser und effizienter als die Regierung in mehreren Sitzungen.

Liebe Leserinnen und Leser, machen sie sich bitte keine Sorgen. Am Ende haben wir sicher eine gute Lösung in der Debatte gefunden und ich möchte meinen Beitrag mit einem Satz beschließen, den sie von mir schon kennen.

SCHAUEN WIR UNS DAS AN.

Ihr Markus Neuner